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»Tod an der Alpspitze« – Bergkrimi

Infos

»Tod an der Alpspitze« – Bergkrimi - Cover
Leseprobe siehe unten
Genre Bergkrimi
erschienen Mai 2018
EAN 9783763370801
ISBN 978-3-7633-7080-1
Verlag Bergverlag Rother
Seiten 224 S.
Preis 12,90 Euro, D
13,30 Euro, A
16,90 SFr
Links

buecher.de, rother.de, amazon.de

Format 13,5 x 20,5 cm
Sonstiges kartoniert

Inhalt

Ihr Leben ist ziemlich perfekt: Seit einem Jahr ist Jana mit Bruno verheiratet. Durch ihn hat sie die Berge kennengelernt, inzwischen klettert sie begeistert. Zwar arbeitet sie weiterhin als Grafikerin, doch sein Erfolg als Geschäftsmann ermöglicht es ihr, häufig ihrer Leidenschaft nachzugehen. So auch an ihrem Geburtstag: Bei einer Tour auf die Notkarspitze entdeckt sie am Gipfel einen Strauß roter Rosen. Wie nett von Bruno! Nur, dass der Strauß gar nicht von ihm stammt ...

Die ungewollten Liebesbeweise nehmen zu, es folgen Mails und Anrufe, und schließlich muss Jana erkennen: Sie hat einen heimlichen Verehrer - der ihr immer näher kommt, zur Bedrohung wird. Wer könnte es sein? In Frage kommen eigentlich nur ihre Kletterfreunde - aber wer von ihnen könnte es sein? Bruno wird indessen immer eifersüchtiger ...

Als sie mit ihm und ihrer Clique die Alpspitz-Ferrata begeht, geschieht etwas Schreckliches: Bruno stürzt tödlich ab. Es sieht wie ein Unfall aus, doch der PolizeibergführerSebastian hat Zweifel. Mit ihm zusammen sucht Jana in den Bergen um Garmisch-Partenkirchen und im Oberreintal nach Antworten. Schließlich beschließen sie, eine Falle zu stellen: eine Entscheidung, die Jana am Jubiläumsgrat beinahe mit ihrem Leben bezahlt.

Leseprobe

(→ Download als .pdf , 740 KB)

Im Sternenlicht war der Forstweg ein helles Band zwischen den schwarzen Mauern der Bäume. Auch ohne Stirnlampe konnte er rasch gehen, in einem Tempo, mit dem er neunundneunzig Prozent aller Wanderer überholt hätte. Er hatte es eilig. Später, nach vollbrachter Tat, wollte er über die Riffelscharte ins Tal zurückkehren, um keinen Frühaufstehern zu begegnen, die von der Höllentalangerhütte losmarschierten. In der Nacht waren alle Geräusche lauter als bei Tag, sein rascher Atem, das Knirschen der Steine unter seinen Sohlen, das Rascheln und Knacken zwischen den Bäumen. Die Luft war frisch, es roch intensiv nach Holz und Moos.

Nach dem Ende der Forststraße führte ein Weg in engen Kehren bergauf. Über fahlen Felswänden stand der Mond und erhellte das Hüttchen am Beginn der Höllentalklamm. Er schob sich durch das Drehkreuz und ging an einem von Schatten erfüllten Abgrund entlang, in dessen Tiefe der Bach rauschte. Er holte seinen Anorak aus dem Rucksack, schlüpfte hinein, zog die Kapuze über den Kopf und setzte die Stirnlampe auf. Ihr Lichtkegel huschte vor ihm über den Boden, während er durch Tunnel und über Treppen eilte.

Einige in den Fels gehauene Passagen waren erleuchtet, und es sah so aus, als würden sich gigantische Lichtwürmer hindurchwinden. Tropfen fielen kühl in seinen Nacken, er patschte durch Pfützen und hielt sich am Drahtseil, wo der unebene Boden durch unzählige Füße spiegelglatt geschliffen war. Die Wände der Klamm rückten näher zusammen, das Tosen des Wassers dröhnte in seinen Ohren. Über ihm hingen gewaltige Blöcke, die sich in der Schlucht verkeilt hatten. Der Bach hatte Jahrmillionen gebraucht, um sich hier hindurchzugraben. Ein Mensch war ein Nichts. Ein Fünkchen im Meer der Zeit. Ein hilfloser Körper auf blutigem Fels. Das Bild ließ ihn nicht los. In seinen Eingeweiden nagte etwas, höhlte ihn von innen aus. Schuldgefühle? Die waren völlig unangebracht.

Eine kalte Dusche klatschte auf seine Kapuze. In dem dunklen Schlund hing wie eine bleiche Fahne ein Wasserfall. Weiter auf einem hüftbreiten, aus dem Gestein gehauenen Pfad. Ein Teppich aus Moos bedeckte die Felswände, Tropfen glitzerten im Schein seiner Stirnlampe. Als er aus der Schlucht herauskam, erhellte Mondlicht einen Kranz gewaltiger Berge. Er verstaute die Lampe und seinen nassen Anorak im Rucksack, dann warf er einen Blick auf die Uhr. Kurz nach elf. Er lag gut in der Zeit. Er schlich an der Höllentalangerhütte vorbei. Alles war dunkel – sein Unternehmen lief wie geplant.

Er überquerte das ausgetrocknete Bachbett und marschierte mit langen Schritten auf den Felsriegel zu, der den Talboden abschloss. Der Weg durchs Höllental war nicht der kürzeste hinauf zur Zugspitze. Aber der über den „Stopselzieher“ führte zuletzt durch Anlagen der Seilbahnstation; er hatte keine Ahnung, ob es dort Wachpersonal oder sonst jemanden gab, dem er auffallen konnte. Und auf einer der Hütten zu übernachten, zum Beispiel dem Münchner Haus, war sowieso keine Option; dort hätte er sich anmelden müssen, und die Polizei würde nach dem Anschlag die Gästelisten durchforsten. Er grinste zufrieden.

Die Aktion war spektakulär, die Medien würden ein Riesentheater vollführen. Das würde Jana aufrütteln und ihr zeigen, dass er ihr jeden Wunsch erfüllte. Und dass er etwas Besonderes war. Sie schirmte sich gegen ihn ab, sie hatte Angst vor ihren Gefühlen ihm gegenüber. Wegen der Videoüberwachung wagte er es nicht mehr, sich nachts ihrem Haus zu nähern. Ihr Handy war tot, ihr Computer nicht mehr erreichbar. Manchmal nahm er ihr Parfumfläschchen, zog den Stöpsel heraus und sog tief den schweren Lilienduft ein. Wenn er sie zusammen mit anderen Leuten traf, zehrte er noch tagelang davon. Wie sie ihre Haare zurückwarf und lachte. Ein seidenglatter Nacken, der nur fingerbreite Träger ihres Shirts … Es machte ihn wahnsinnig, dass er nicht wusste, wo sie war, was sie gerade trieb. Er war abgeschnitten von ihrem Leben. Alles war flau und farblos ohne sie.

Er kam in Schrofengelände, nun musste er die Füße vorsichtig setzen, kleinere Unebenheiten verschwammen im Halbdunkel. Ein Steilaufschwung mit einer Reihe von Eisenkrampen, die sogenannte „Leiter“. Tagsüber musste man hier Schlange stehen, weil die Typen in ihrer Klettersteigmontur ständig Karabiner ein- und ausklingten und manche sich in dem ungewohnten Felsgelände weiter oben so ungeschickt bewegten wie ein Kleinkind, das gerade laufen lernt. Er setzte die Stirnlampe wieder auf und stieg rasch ohne Sicherung höher. Seine Hände umschlossen locker das Drahtseil. Wenn er ausrutschte oder stolperte, musste er nur etwas fester zupacken. Das berüchtigte „Brett“, eine Querung über eine Felsplatte. Er tänzelte locker über die Reihe von Eisenstiften. Dann leichte Kraxelei.

Der Höllentalferner schimmerte silbern im Mondlicht, eine Spur führte darüber. Die Randkluft war kein Problem, er eilte weiter, Klammern und Stifte, Gehstrecken. Er atmete schnell, aber gleichmäßig. Tagsüber hatte er es von Hammersbach zum Gipfel schon in vier Stunden geschafft. Was immer noch doppelt so lang war wie bei einem richtigen Bergläufer. Oben am Grat erblickte er das Zugspitzplatt und die futuristisch anmutende Ansammlung von Gebäuden, die Deutschlands höchsten Gipfel verschandelten. Die Silhouetten von Kränen ragten in den Sternenhimmel, der Bau der neuen Eibsee-Seilbahn war in vollem Gang. Nirgendwo Licht. Es war fast drei Uhr.

Dann stand er vor dem Gipfelkreuz, das im Mondlicht golden schimmerte. Jana hatte recht: Dieser billige Prunk war ein Misston in der großen und wilden Landschaft der Berge. Das Kreuz erhob sich über einem Felsabbruch. Nahe der Kante hatte man Drahtseile verankert, damit die Meute der „Gipfelbezwinger“ gefahrlos hier herumstolpern konnte. Das Kreuz war fast fünf Meter hoch; wegen der Kugel auf halber Höhe hätte nur ein sehr guter Boulderer dort hinaufklettern können. Er zog ein Stück altes Kletterseil aus seinem Rucksack, knüpfte einen faustgroßen Stein an ein Ende und schleuderte ihn über das Kreuz hinweg. Daneben. War ja klar, dass das nicht einfach sein würde. Noch mal. Und noch mal, noch mal. Jetzt! Nun hing das Seil über der Stelle, wo sich die senkrechte und waagrechte Stange trafen, es konnte nicht herabrutschen.

Der Rest war einfach: Er spannte das Seil mit Hilfe eines Mastwurfknotens zwischen zwei Drahtseilverankerungen. Die würden sich wundern morgen früh. Und ärgern. Vor Kurzem war während der Bauarbeiten für die neue Seilbahn ein Teil des Strahlenkranzes abgerissen und wieder angeschweißt worden. Er zog den Klettergurt an, knüpfte zwei Reepschnurschlingen so ins Seil, dass sie sich bei Belastung festzogen, und stieg mit den Füßen in die offenen Schlingen. Einen Fuß heben, die dadurch entlastete Schlinge höher schieben, hineinsteigen, den anderen Fuß entlasten … Prusiken war eine einfache Übung für einen erfahrenen Bergsteiger. Als er hoch genug oben war, nahm er seinen Rucksack ab, hängte ihn über einen der goldenen Strahlen und zog heraus, was er für den Anschlag vorbereitet hatte.

== Ende der Leseprobe ==

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